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Viele starten ins Zweiradvergnügen mit einem Gebrauchtmotorrad. Tipps der Dekra-Experten helfen, dass der Kauf nicht zum Reinfall wird.
Wer über den Kauf eines gebrauchten Motorrades nachdenkt, der sollte zuerst Grundsätzliches beherzigen. Mit dem Erwerb ist es nicht getan, denn ein Motorrad erzeugt Folgekosten wie Steuer, Versicherung, Kundendienste, Reifen und natürlich Schutzkleidung. Nicht selten hat nach einer Zeit der Motorradabstinenz der Leibesumfang zugenommen, die Kombi dieses Wachstum aber nicht mitgemacht...
Heftiges Nachdenken muss dem künftigen Fahrzeugtyp und dem Einsatzzweck gelten. Auf gar keinen Fall sollte man sich nur von Äußerlichkeiten leiten lassen. Ein Bud Spencer-Typ mit einer Körpergröße von rund zwei Metern wird sicher nicht allzu viel Spaß an einer 600er-Supersport haben, wenn er nur bei schönem Wetter die Strecke bis zur Eisdiele zurückzulegen will. Grundsätzlich muss der richtige Maschinentyp aber auch zum abgesteckten Finanzrahmen passen.
Vor der Suche nach dem Wunschobjekt stehen einige Regeln der Dekra-Motorradexperten, die beim Erwerb von gebrauchten Motorrädern – gleich ob Cruiser oder Supersportmaschine – gelten. Grundsätzlich ist zwischen einem Kauf von privat und dem beim Händler zu unterscheiden. "Auch der private Verkäufer hat – allerdings nur in einem beschränkten Rahmen – für versteckte Mängel an dem von ihm veräußerten Fahrzeug gerade zu stehen", betont Dekra-Ingenieur Stephan Dobler: "Anders sieht dies seit Inkrafttreten des neuen Gewährleistungsrechtes beim Kauf eines Fahrzeuges bei einem Händler aus."
Die umfangreichen Regelungen im Einzelnen wiederzugeben, würde den Rahmen dieses Artikels sprengen. Daher sei hier auf den Sonderdruck "Deutsches Autorecht" Rechtzeitschrift des ADAC, verwiesen. Aus rechtlichen Gründen und wegen der Tatsache, dass die Fahrzeuge im seriösen Handel für den Verkauf gecheckt und aufbereitet wurden, sind die Fahrzeugpreise im Handel anders als beim Privatkauf.
Wie beim Thema "Vorbereitung auf die Hauptuntersuchung" ausgeführt, kann das Fahrzeug mit verhältnismäßig einfachen Mitteln auf Verschleiß untersucht werden. Die Hauptpunkte zur Erinnerung: Reifenprofile beziehungsweise eckig gefahrene Reifen, Ölverlust an Stoßdämpfern, Gabel oder Motor, hakelnde Lenkkopflager und der gleichen Dinge mehr.
Zu besonderer Vorsicht raten die Dekra-Experten in Sachen Sturzschäden: "Nur allzu gerne werden Schäden durch vorausgegangene Stürze kaschiert oder schlecht repariert. Verkratzte Verkleidungsteile, beschädigte Spiegel und Lenkergewichte sind wie gebrochene Blinkergläser schnell erneuert. Ein Blick hinter die Verkleidung, insbesondere in Richtung untere Gabelbrücke, bringt hier oft Erstaunliches zu Tage."
Als Beispiel aus der Praxis kann nebenstehendes Foto einer beschädigten Gabelbrücke dienen. Der Sturzschaden wird erst durch die Verformung der an der Gabelbrücke angebrachten Lenkanschläge sichtbar. Je nach Fahrzeugkonstruktion können sich diese Lenkanschläge aber auch am Rahmenkopf befinden. "Zur besseren Prüfung ist es durchaus sinnvoll, den Verkäufer um eine Taschenlampe zu bitten oder eine solche mitzunehmen", ist der Dekra-Rat.
Auch der abgelesene Kilometer-Stand muss nicht immer zwingend mit der Laufleistung des Fahrzeuges übereinstimmen, denn auch Instrumente werden bei Stürzen beschädigt und später erneuert oder durch Gebrauchtteile ersetzt. Stephan Dobler: "Höchst aufschlussreich ist hier ein Blick ins Kundendienst-Scheckheft - falls vorhanden." Wenn es fehlt, sollte man sich unbedingt Rechnungen der letzten Werkstattkontakte zeigen lassen: "Hier muss der Kilometerstand vermerkt sein."
Für alle, die bei der technischen Beurteilung einer Gebrauchtmaschine wirklich auf Nummer sicher gehen wollen, ist das Dekra-Siegel ideal. Bei der Prüfung zur Erteilung des Siegels durch hierfür speziell geschulte Dekra-Ingenieure, die aus der Praxis Stärken und Schwächen aller Marken und Modell bestens kennen, werden über die verschleißbedingten Mängel an einem gebrauchten Motorrad hinaus auch Aussagen zum Zustand der einzelnen Baugruppen getroffen. Das Dekra-Siegel ist gerade auch für Verkäufer eine sehr hilfreiche Angelegenheit, da von neutraler Stelle der Fahrzeugzustand beurteilt wird.
Allen Kaufinteressenten kann zudem ein Schnell-Check nach dem sogenannten WOLKE-System empfohlen werden. Für weitergehende Fragen stehen die Motorrad-Experten der Dekra-Niederlassung in der Nähe zur Verfügung.
System WOLKE
Die schnelle Prüfung des Zustandes eines Gebrauchtmotorrads, die jeder Motorradinteressierte durchführen kann, läuft nach dem "System WOLKE":
• "W" steht für Wasser: Falls das Fahrzeug wassergekühlt ist, den Kühler auf Dichtheit überprüfen und nachsehen, ob das Temperaturanzeige-Instrument bei laufendem Motor nach einer Weile reagiert und bei heißem Motor sich der Lüfter zuschaltet.
• "O" steht für Öl: Sind Motor, Stoßdämpfer und Gabel dicht und ist genug Öl im Motor?
• "L" steht für Luft: Stimmen die auf dem Fahrzeug aufgezogenen Reifen mit den in den Papieren vorgeschriebenen überein? Ist genug Profil auf den Reifen (Mindest-Profiltiefe 1,6 mm) und genug Druck in den Reifen?
• "K" steht für Kraftstoff: Sind Vergaser/Einspritzanlage, Tank- und Kraftstoffschläuche dicht?
• "E" steht für Elektrik: Funktionieren alle Beleuchtungseinrichtungen und Kontrolllampen und sind alle Schaltereinheiten sowie das Zündschloss intakt? |